Johan Eliasch, der umstrittene Präsident des Ski- und Snowboard-Weltverbands (FIS), ist abgewählt worden. In einem Wahlkrimi erhielt der Milliardär beim FIS-Kongress in Belgrad 64 Stimmen - genau eine Stimme mehr bekam sein Gegenkandidat Alexander Ospelt aus Liechtenstein. Sein Widersacher Ospelt wurde für vier Jahre gewählt.
Der Deutsche Skiverband nahm das Ergebnis mit "riesiger Erleichterung" zur Kenntnis, wie Stefan Schwarzbach, Vorstand Kommunikation, sagte. "Dieser jahrelange Albtraum ist vorbei. Mit nur einer Stimme Vorsprung - knapper hätte es kaum sein können. Vielleicht macht genau das deutlich, wie viel auf dem Spiel stand und wie hart in den vergangenen Wochen und Monaten für diesen Wechsel gearbeitet wurde", sagte Schwarzbach.
Eliasch ist die wohl umstrittenste Figur im internationalen Skisport. Der schwedisch-britische Multimilliardär, der sich für eine mögliche weitere Amtszeit sogar spontan eine georgische Staatsbürgerschaft organisiert hatte, stand wegen seiner Amtsführung und strittiger Vermarktungsideen in der Kritik. Auch für die mutmaßlich schlechte Finanzlage des Verbandes wird er verantwortlich gemacht.
"Ich habe immer gesagt, dass dies für mich eine Win-win-Situation sein würde, denn entweder bekomme ich mein Leben zurück oder ich gewinne die Wahl. So oder so bin ich also sehr glücklich", sagte Eliasch nach der Niederlage. Zugleich reagierte er mit heftigen Vorwürfen gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf sein Aus. Er habe von vielen gehört, dass das IOC versucht habe, das Ergebnis der Wahl zu beeinflussen. "Dagegen müssen wir standhaft bleiben, denn wir sind eine unabhängige Organisation", erklärte Eliasch.
Autokratie-Vorwürfe gegen Eliasch
Die Wahl des mächtigen Funktionärspostens wurde nach einem Antrag eines Mitglieds auf der Tagesordnung nach vorn gezogen. Zudem wurde kurzfristig darüber abgestimmt, dass die Wahl mittels Wahlzettel durchgeführt wird und nicht wie ursprünglich geplant elektronisch.
Eliasch war 2021 an die Spitze der FIS gekommen als Nachfolger von Gian Franco Kasper, der den wichtigsten Wintersportverband mehr als zwei Jahrzehnte lang geführt hatte. Der gebürtige Schwede und Chef des Sportartikelherstellers Head trat mit dem Versprechen von Reformen an, die der FIS und auch den nationalen Verbänden viel Geld einbringen sollten. 2022 war er ohne Gegenkandidat wiedergewählt worden. Damals waren wichtige Ski-Nationen wie Österreich, die Schweiz und Deutschland noch mit einer versuchten Abwahl von Eliasch gescheitert.
In den fünf Jahren seither zog Eliasch reichlich Ärger aus der Ski-Gemeinschaft auf sich. Sein Führungsstil wurde von Kritikern teils als autokratisch bezeichnet. Auch schlugen etliche Funktionäre Alarm, Eliasch habe die FIS in eine wirtschaftliche Schieflage manövriert. Athletinnen und Athleten fühlten sich schlecht vertreten; Stars wie die US-Dominatorin Mikaela Shiffrin, der Schweizer Marco Odermatt oder Lucas Pinheiro Braathen aus Brasilien warfen Eliasch mangelnde Transparenz und Egoismus vor und wünschten sich einen Wechsel an der FIS-Spitze.
Der FIS-Patron verlor selbst in seinen beiden Heimatverbänden Schweden und Großbritannien - er besaß Pässe beider Länder - den Rückhalt. Von keinem der zwei Verbände wurde er für die Wiederwahl nominiert. Um dennoch antreten zu können, wurde er ganz schnell georgischer Staatsbürger. "Ich war schon dort. Es ist ein Land, das mir sehr gut gefällt", sagte er kurz vor der Wahl, angesprochen auf seine Verbindung zum Land im Südkaukasus.




