Es soll ein Football-Fest werden, wenn am Sonntag die Dallas Cowboys auf die Baltimore Ravens treffen (22.25 Uhr, LIVE auf Sky Sport). Die Kulisse ist keine geringere als das historische Maracanã-Stadion, auf dessen Rasen 2014 die deutsche Nationalmannschaft ihre vierte Weltmeisterschaft gewann. Doch genau dieser Rasen sorgt im Vorfeld der NFL-Partie für Ärger.
Zuletzt hatten sich mehrere Fußballprofis von Flamengo, die ihre Heimspiele im Stadion ausrichten, deutlich über den Zustand des Rasens beschwert. Torhüter Agustín Rossi kritisierte vor allem die Strafräume und sprach von starken Unebenheiten. Auch Giorgian de Arrascaeta erklärte, der Platz werde von Spiel zu Spiel schlechter.

Die NFL zeigt sich jedoch gelassen. NFL Field Director Nick Pappas sagte am Montag ausdrücklich, die Liga habe hinsichtlich des Platzes derzeit "keine Bedenken". Auch über eine Verlegung des Spiels, etwa nach Dallas, sei zu keinem Zeitpunkt nachgedacht worden. Er habe "volles Vertrauen", dass der Platz am Sonntag den NFL-Anforderungen entsprechen werde.
Regen und Dauerbelastung setzen dem Platz zu
Als Hauptursachen gelten ungewöhnlich starke Regenfälle in den vergangenen Wochen. Außerdem wird der Platz viel bespielt, Flamengo und Fluminense tragen beide regelmäßig ihre Heimspiele im Stadion aus. Noch am vergangenen Sonntag wurde dort Fußball gespielt, erst anschließend konnte die NFL den Platz vollständig übernehmen und mit den Vorbereitungen für das Football-Spiel beginnen.
Seitdem arbeitet ein Spezialteam der Liga im Stadion. Bereits zuvor hatte die NFL eine große Abdeckplane nach Rio bringen lassen, um den Rasen vor weiterem Regen zu schützen. Inzwischen wurden zudem die Football-Markierungen aufgemalt und die Torpfosten installiert.

Cowboys melden sich gegen Commanders zurück
Die Liga betont auch den wichtigen Unterschied zwischen Fußball- und Football-Anforderungen. Während beim Fußball Unebenheiten vor allem den Balllauf beeinflussen, seien für ein NFL-Spiel andere Faktoren entscheidend, sagt Nick Pappas. Dazu zählen unter anderem die Festigkeit des Untergrunds, die Traktion und die Sicherheit der Spieler.
Cowboys und Ravens vertrauen auf die NFL
Auch die beiden Teams äußern sich bislang zurückhaltend. Cowboys-Head-Coach Brian Schottenheimer erklärte, Dallas stehe mit der NFL in Kontakt und vertraue darauf, dass die Liga den Platz rechtzeitig in einen geeigneten Zustand bringe. Ganz ohne Vorsichtsmaßnahmen reist Dallas allerdings nicht nach Rio. Die Cowboys bringen Schuhe mit unterschiedlichen Stollen für stärkeren Grip mit. Sollten Spieler beim Warm-up rutschen, können sie entsprechend wechseln.
Auch bei den Ravens ist die Rasensituation Thema. Head Coach Jesse Minter verwies darauf, dass die NFL für die Bewertung zuständig sei und Baltimore auf deren Einschätzung vertraue. Quarterback Lamar Jackson zeigte sich ebenfalls gelassen. "Wir haben schon oft auf schlechten Plätzen gespielt, ich beschäftige mich damit nicht wirklich", sagte er. Safety Kyle Hamilton betonte vor allem den Sicherheitsaspekt und sagte, er gehe davon aus, dass die NFL alles unternehme, um die Spieler zu schützen.
Manche Spieler nehmen das Thema auch mit Humor. Ravens-Cornerback Marlon Humphrey scherzte, sie würden auf jedem Untergrund spielen: "Und wenn wir auf Beton spielen müssen, dann spielen wir auf Beton." Trotzdem schiebt er sorgenvoll nach, er hoffe, die Berichte über den Rasen stimmen nicht.
Klar ist: Die NFL hält am Spiel im Maracanã fest und arbeitet weiter an dem Zustand des Rasens. Dieser dürfte am Sonntag genau beobachtet werden. Denn auch wenn die Liga keine Sicherheitsbedenken sieht, bleibt sichtbar, dass der Platz zuletzt stark gelitten hat. Die NFL muss sich nach dem Spiel auf jeden Fall an ihren Versprechen auf ein gutes und sicheres Spielerlebnis messen lassen.

