Lennart Karl reiste mit einem klaren Auftrag zur Fußball-WM nach Amerika. Unbekümmert aufspielen, mit seinen forschen Highspeed-Dribblings frischen Wind ins deutsche Spiel bringen. So wollte es Bundestrainer Julian Nagelsmann, so wünschten es sich die Fans der Nationalmannschaft. Dann kam das Abschlusstraining vor der Generalprobe gegen die USA in Chicago. Ein Muskelbündelriss ließ Karls Traum platzen. Vier bis sechs Wochen Pause. Rückflug nach München und Reha statt Turnier-Euphorie mit dem DFB-Team. Nagelsmann nominierte den 20-jährigen Leipziger Assan Ouédraogo nach.
"Es ist beim Torschuss passiert, ich habe es sofort gespürt. Das war schon ein Schock für mich, da ich mir so viel vorgenommen habe und auch in guter Verfassung war", rekapitulierte der 18-Jährige im Interview mit der "Bild". "Die WM zu spielen, wäre ein absoluter Traum von mir gewesen. Leider kommt nun diese Verletzung dazwischen, ich muss das akzeptieren und nach vorne schauen."
Ouédraogo: "Nagelsmann hat gefragt, ob ich betrunken bin"

Er habe nun erst einmal Urlaub verordnet bekommen, sagte Karl. Danach soll er schnellstmöglich zurück auf den Rasen. "In diesen ersten Tagen kann ich in der Reha nicht viel machen, außer der Verletzung Zeit geben, um zu heilen. Danach beginnt irgendwann wieder die Aufbauphase", sagte der Jungstar des FC Bayern.
DFB-Elf wird "alles reinhauen"
Karl hatte in seiner ersten vollen Saison mit dem Rekordmeister nicht nur Bayern-Coach Vincent Kompany mit seinen schnellen, frechen Dribblings überzeugt. Auch bei Nagelsmann deutet einiges darauf hin, dass Karl auf der rechten Seite den Vorzug vor dem formschwankenden Leroy Sané bekommen hätte. Im März feierte der Teenager sein Debüt in der Nationalmannschaft und überzeugte beim 4:3-Sieg in der Schweiz auf Anhieb, bestritt insgesamt bisher drei Länderspiele.
Nach seinem WM-Aus hatte sich Karl via Instagram emotional zu Wort gemeldet. "Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, aber es tut einfach unbeschreiblich weh, das größte Turnier verpassen zu müssen. Habe alles dafür getan, um fit für die WM zu sein. Leider kommen Verletzungen oft zum unglücklichsten Zeitpunkt", schrieb er.
Nun bleibt Karl nichts anderes übrig, als seinen DFB-Kollegen von Zuhause aus anzufeuern. "Das Auftaktspiel schaue ich mir natürlich an, so wie jedes weitere selbstverständlich! Ich werde natürlich mitfiebern und der Mannschaft die Daumen drücken. Ich bin fest davon überzeugt, dass das Team alles reinhauen und eine gute WM spielen wird", sagte der Münchner der "Bild".




