Die ewige Debatte um Nationalspieler Leroy Sané geht in die nächste Runde. Trotz des erfolgreichen Auftaktspiels der DFB-Elf stand der Profi von Galatasaray auch beim 7:1 gegen Curacao wieder einmal im Fokus und in der bundesweiten Kritik. Tenor: zu wenig Ertrag, gerade für einen eher schwächeren Gegner.
Für die anstehende Partie am Samstag (22 Uhr/ZDF, Magenta TV und im ntv.de-Liveticker) dürften zehn von elf Plätzen klar verteilt sein. Nur um den von Sané auf der rechten Außenbahn wird wieder eifrig diskutiert. Die große Frage ist: Baut Julian Nagelsmann das Team vor dem zweiten Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste auf dieser Position tatsächlich um?
Die Debatte um Sané entbrannte quasi schon in Echtzeit zum Auftaktspiel. Der 30-Jährige war zwar ein Aktivposten, agierte aber oftmals glücklos – vor allem im Abschluss. "Bei Leroy ist erst mal die Bewertungsgrundlage, wie viel er investiert", sagte Nagelsmann diplomatisch. Heißt: Der Einsatz hat gestimmt. "Er hat viel gearbeitet, viele Umschaltsituationen vom Gegner weggenommen. Da kann man ihm ein Kompliment machen."
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Für Sané spricht die Erfahrung, aber ...
Für viele Fans ist Sané ohnehin eine Art Reizfigur. Ein vermeintlicher Beweis, dass nicht immer das Leistungsprinzip zähle, um in der DFB-Elf zu landen. Zu wenig konstant war die Leistung über die Saison beim türkischen Klub. Erste Wahl war er bis kurz vor dem Turnier eigentlich nicht.
Den Startelf-Platz für das WM-Turnier erbte Sané von Lennart Karl. Der Bayern-Youngster hatte mit einer starken Vorbereitung und Testspielen für sich geworben und wäre wohl von Beginn an gestartet, wenn ihn nicht ein Muskelbündelriss gestoppt hätte. So durfte Sané schon im Test gegen die USA ran – und traf prompt zum Sieg. Die Position des rechten Flügelstürmers gehört vorerst ihm. So schien es.
Aber was wären die Alternativen? Die positionsgetreuen Möglichkeiten erstrecken sich von Jamie Leweling vom VfB Stuttgart über den Dortmunder Maximilian Beier zu Assan Ouedraogo von RB Leipzig – die allesamt noch kein WM-Spiel auf dem Buckel haben. Sané stand in drei WM-Partien auf dem Rasen, hat allerdings wie bei einer EM noch keinen Treffer vorzuweisen. Insgesamt kommt er auf den Erfahrungsschatz von 77 DFB-Spielen und 17 Tore. Die Erfahrung spricht für den ehemaligen Bayern-Spieler.
"Waffe" Undav muss genutzt werden
Andere Zahlen sprechen aber für eine andere Offensiv-Fachkraft. Deniz Undav drängt mit seinen Leistungen massiv in die Startelf. Der Stürmer des VfB Stuttgart hat einen brutalen Lauf. Nach seiner Einwechslung gegen Curacao war er binnen 30 Minuten an den drei weiteren Treffern direkt beteiligt. Das 5:1 legte er Nathaniel Brown auf, das 6:1 erzielte er selbst, vor dem 7:1 schickte er Doppeltorschütze Kai Havertz entscheidend. Nicht schlecht für einen Kurzeinsatz. Auch Offensiv-Kollege Havertz lobte: "Dafür ist er hier. Wenn man so eine Waffe hat, muss man sie nutzen."
Dadurch geht auch seine imposante Serie im DFB-Dress weiter. Denn in den vergangenen zehn Länderspielen war er an allen Toren beteiligt, solange er auf dem Platz stand. Für die deutsche Nationalmannschaft erzielte er bislang sieben Tore und vier Assists. Für diese elf Scorer brauchte er nur 397 Spielminuten. Im Schnitt ist Undav alle 36 Minuten an einem Treffer beteiligt. In diesem Kalenderjahr waren es sogar wahnsinnige 23 Minuten pro Scorer.
Nun ist es freilich so, dass die Nationalelf auch ohne Undav vier Tore gegen Curacao erzielt hatte und schon voll auf Kurs war. Dennoch sind diese Zahlen weitere Werbung für Undav. Denn immer wenn er kommt, liefert er. Viel mehr kann sich ein Trainer kaum wünschen.
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Undav in die Startelf ist ein Experiment
Genau das wäre natürlich auch ein Argument für Nagelsmann, Undav weiter als "Super-Joker" in der Hinterhand zu haben. Diese Rolle hatte er dem Angreifer in den Gesprächen im März zugesprochen. Schon damals entflammte rund um die Partie und das Tor in Stuttgart gegen Ghana die Undav-Diskussion, an deren Ende sich Nagelsmann sogar für seine Wortwahl entschuldigte ("Leistung bis zum Tor nicht gut").
Schmeißt der Bundestrainer Undav in die erste Elf, würde dies aber durchaus die Statik der Mannschaft verändern. Undav spielt zentral, nicht außen. Nagelsmann müsste wohl Havertz verschieben und zurückziehen. Es wäre ein kleines Experiment, mitten im Turnier. Wahrscheinlicher ist, dass Nagelsmann Außenstürmer Sané die nächste Bewährungschance gibt – und die Chance auf den ersehnten ersten WM-Treffer. Ansonsten schlägt wohl früher oder später die Stunde des Jokers mit der 23-Minuten-Quote.




