Gregor Kobel stapfte völlig bedient über den Rasen, Granit Xhaka stemmte die Hände in die Hüften - und Nationaltrainer Murat Yakin starte fassungslos zu Boden.
Nach dem ganz späten Gegentreffer waren die Schweizer sichtlich frustriert, den Auftakt in ihre ambitionierte WM-Mission hatten sie sich ganz anders vorgestellt. Doch wegen großen Chancenwuchers und einer Nachlässigkeit in der Defensive stand am Ende ein bitteres 1:1 (1:0) gegen den krassen Außenseiter Katar. "Wir sind sehr stolz auf uns", sagte der katarische Stürmer Akram Afif und ergänzte mit einem Lächeln: "Hoffentlich können wir im nächsten Spiel drei Punkte holen."
"Extrem bitter"
Der verspielte Sieg sei "extrem bitter. Das ist nicht der Start, den wir uns gewünscht haben. Es ist schade", sagte Torhüter Kobel: "Aber jetzt müssen wir das akzeptieren und damit umgehen. Vielleicht gut, dass es jetzt im ersten Spiel passiert ist. Uns haben Präzision und Intensität gefehlt. Wir hätten es mehr erzwingen müssen."
Underdog Katar schockt Schweiz spät

Der WM-Gastgeber von 2022 feierte seinen ersten Punkt bei einer Weltmeisterschaft wie einen Sieg. "Das ist eine riesengroße Überraschung", sagte MagentaTV-Experte Mats Hummels.
Breel Embolo brachte die Schweiz durch einen Foulelfmeter (17.) in Führung. Der Ex-Gladbacher, der aufgrund von Visum-Problemen später zur Mannschaft gestoßen war, ließ sich dabei die Aufregung der vergangenen Tage nicht anmerken und verwandelte den Strafstoß (17.) eiskalt.
Späte Bestrafung
Doch insgesamt ließ der Favorit zu viele Möglichkeiten liegen, Boualem Khoukhi (90.4) in der Nachspielzeit. Der Hamburger Verteidiger Miro Muheim sah dabei schlecht aus, er ließ den Torschützen frei zum Kopfball kommen.
Dabei peilen Xhaka und Co. die "beste WM aller Zeiten" an, die Mannschaft sei "bereit, mental wie physisch", hatte der frühere Leverkusener im Vorfeld noch betont. Doch das Team von Trainer Yakin tat sich schwer gegen Katar, das sich erstmals sportlich qualifiziert hatte.
Für das nächste Duell in der Gruppe B mit Bosnien-Herzegowina am Donnerstag (21 Uhr MESZ) muss sich die Schweiz dringend steigern, um Kurs auf die K.o.-Runde zu nehmen.
Kobel rettet
In der San Francisco Bay Arena, in der einige Plätze augenscheinlich leer blieben, setzte zu Beginn vor allem Dan Ndoye die Akzente im Schweizer Offensivspiel. Katars Keeper Mahmud Abunada verhinderte zunächst noch einen Rückstand seiner Mannschaft - nur um wenig später selbst dafür verantwortlich zu sein.
Bei einem Angriff der Schweizer räumte der Torhüter bei seiner Abwehraktion im Strafraum Remo Freuler ab, Schiedsrichter Said Martínez zeigte auf den Punkt. Die Entscheidung blieb auch nach Einsatz des VAR, der die Szene auf eine mögliche Abseitsposition überprüfte, bestehen. Embolo trat an und sorgte für die verdiente Schweizer Führung.
Katar beschränkte sich nach mutigen Anfangsminuten hauptsächlich auf die Defensive. BVB-Profi Kobel musste im Schweizer Tor in der ersten Hälfte nur selten eingreifen, zeigte sich aber unter anderem bei einem Abschluss von Edmilson Junior aus kurzer Distanz aber hellwach (43.). Abunada war hingegen gleich mehrmals gefordert.
Im zweiten Durchgang zeigte sich zunächst das gleiche Bild: Die Schweizer drängten Katar immer wieder tief in die eigene Hälfte, vergaben allerdings weiterhin gute Möglichkeiten.




