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"Keinen Bock" auf BlindenschriftDanger Dan will sich auf drohende Erblindung nicht vorbereiten

01.10.2026, 14:23 Uhr
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Danger Dan im August 2026 bei einem Auftritt in Berlin. (Foto: Imago Images/Berlinfoto)

Seit rund 20 Jahren weiß Danger Dan, dass er sein Augenlicht verlieren könnte. Darauf vorbereiten will sich der Musiker nicht. Den wachsenden Einschränkungen im Alltag begegnet er aktuell noch mit kleinen Tricks.

Danger Dan macht sich über seine Zukunft keine Illusionen. Der 43-jährige Musiker leidet an Retinitis pigmentosa, einer Degeneration der Netzhaut. Für seine Verlaufsform gebe es nach seinem Wissen derzeit keine wissenschaftlich belegte Heilungsmöglichkeit. Das bedeutet, dass er irgendwann völlig erblinden könnte.

Wie sich die Krankheit anfühlt, beschreibt der Künstler, der bürgerlich Daniel Pongratz heißt, im Interview mit dem Magazin "Stern" mit einem anschaulichen Bild. Weil sein Sichtfeld stetig schrumpfe, sei es für ihn, als schaue er durch eine Klopapierrolle. Dazu kämen Nachtblindheit und eine starke Blendempfindlichkeit. Vor allem im Herbst, wenn es früh dunkel wird, spüre er den Unterschied zum Vorjahr.

Seinen Alltag bewältige er bislang ganz gut, erklärt der Musiker. Auto fahren dürfte er allerdings nicht mehr. Auf der Bühne helfen kleine Kniffe. Ein heller weißer Streifen markiere den Bühnenrand, damit er nicht hinunterfalle. Auf seinem schwarzen Klavierhocker klebe ein Neonkreuz, weil er den Sitz im Gegenlicht auf dem dunklen Boden sonst nicht immer finde.

Im Dunkeln bemerkten andere Menschen durchaus, wie wenig er tatsächlich noch sehen könne. "Ich laufe sehr viel Händchen haltend durch die Welt", witzelt Danger Dan im Gespräch mit dem "Stern". Schon im Interview mit dem "Tagesspiegel" hatte er Ende September erzählt, dass ihm hinter der Bühne inzwischen häufig jemand mit einer Taschenlampe den Weg leuchten müsse.

Lebenshunger wegen der Krankheit

Auf ein Leben ohne Augenlicht bereitet sich der 43-Jährige allerdings bewusst nicht vor. Andere Betroffene würden ein Mobilitätstraining absolvieren oder Blindenschrift lernen. "Aber ich habe überhaupt keinen Bock, mich damit auseinanderzusetzen." Die Vorstellung, eines Tages blind am Klavier zu sitzen, sei für ihn völlig abstrakt. Wenn befürchtete Dinge einträten, arrangiere man sich eben.

Seine erste Reaktion auf die Diagnose sei Aufbruch gewesen: Er kündigte einen ungeliebten Job, arbeitete in Ostafrika und reiste nach Armenien, Georgien und Aserbaidschan. Im "Stern"-Interview räumt er ein, dass dies möglicherweise Verdrängung gewesen sei, aber womöglich auch schon Auseinandersetzung. Sein Lebenshunger habe wohl mit der Krankheit zu tun. Wenn jemand vorschlage, noch in die nächste Kneipe weiterzuziehen, sei er fast nie derjenige, der Nein sage.

Verarbeitet hat der Musiker seine Erkrankung im Song "Dass es hier so schön ist" auf seinem neuen Album "Keine Angst". Er habe lange gewusst, dass er dieses Lied schreiben müsse, und dass es nur ein einziges Mal gehe. Die Wendung zum Schluss, die von der Schönheit der Welt erzählt, habe er direkt nach der Diagnose noch nicht hinbekommen. Inzwischen hätten sich unglaublich viele Betroffene gemeldet. Sie zeigten Angehörigen das Lied und das Video, um den Verlauf der Krankheit greifbar zu machen.

Quelle: ntv.de, csp/spot

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