"Realitätsferne" Aussagen ISW: Russland verliert mehr Territorium, als es besetzt - und Putin halluziniert

Für die ukrainischen Truppen hat sich die Lage an der Front gebessert. Im vergangenen Monat sollen sie sogar etwas mehr Territorium befreit haben als an die russischen Streitkräfte verloren ging. Möglicherweise weiß das auch Kremlchef Putin - und eskaliert dafür den Krieg gegen Zivilisten immer weiter.
Das Institut für Kriegsstudien (ISW) geht in einer Auswertung davon aus, dass die russischen Invasoren im September mehr Gebiet in der Ukraine verloren haben als sie erobern konnten. Der Verlust soll rund 81 Quadratkilometer betragen.
Der russische Präsident Wladimir Putin hatte zuletzt erzählt, seine Truppen hätten im September 1.301 Quadratkilometer ukrainisches Gebiet eingenommen. Das ISW schreibt, die Behauptungen des Kremlchefs seien "so realitätsfern, dass sie Halluzinationen gleichen".
Unklar ist, ob Putin weiß, dass die von ihm genannten Zahlen nicht stimmen können. Möglich wäre, dass er von seinen Generälen falsch informiert wird, weil diese keine Misserfolge zugeben wollen. Das ISW spricht von einer "Kultur des Lügens", die tief in der russischen Militärischen Führungsstruktur verankert sei.
Es gibt aber auch Einschätzungen, die es für möglich halten, dass der russische Präsident darüber informiert ist, dass es für seine Truppen nicht vorangeht - und dass er deswegen die Angriffe auf ukrainische Zivilisten noch weiter verstärken ließ. Laut Informationen des ukrainischen Geheimdienstes soll Putin erklärt haben, es gebe in dem Angriffskrieg keine Regeln mehr.
Kaum Gebietsgewinne in den Monaten zuvor
Von Juni bis August hatte Russland laut dem ISW jeweils nur zwischen 30 und 90 Quadratkilometer unter seine Kontrolle bringen können. Die Invasion ist also schon seit längerer Zeit fast zum Erliegen gekommen. Die Ukraine ist circa 600.000 Quadratkilometer groß, rund ein Fünftel davon steht unter russischer Kontrolle.
Zuletzt hatte die Ukraine mit ihrer Vivaldi-Operation im Bereich Lyman für Aufsehen gesorgt. Dort sollen laut Angaben des verantwortlichen 3. Armeekorps 176 Quadratikilometer Territorium befreit worden sein. Die Operation läuft nach wie vor.

