Riskante Starlink-AbhängigkeitUkraine entwickelt mit Nokia sicheres Satelliten-System

Wie wichtig es ist, militärisch unabhängiger von den USA zu werden, weiß Kiew spätestens seit vergangener Woche: Ohne Vorwarnung wird das für die Drohnenabwehr unabdingbare Starlink-Internet eingeschränkt. Zusammen mit zwei finnischen Firmen arbeitet die Ukraine an einer Alternative zu dem Satellitensystem von Techmilliardär Musk.
Die Ukraine wird mit den finnischen Firmen Nokia und ICEYE an einer eigenen unabhängigen Satelliten-Kommunikation arbeiten. Das ukrainische Verteidigungsministerium und die Unternehmen unterzeichneten eine Absichtserklärung bei einem Besuch des finnischen Ministerpräsidenten Petteri Orpo in Kiew. Details und ein Zeitplan wurden nicht genannt.
Doch die Einigung kommt vor dem Hintergrund des Konflikts der Ukraine mit den USA wegen Satellitendaten und -internet. "Wir haben vereinbart, finnische Satelliten-Kapazitäten stärker zu nutzen. Das ist wichtig für unsere Verteidigung und die Widerstandsfähigkeit der Ukraine", erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj.
Die Ukraine brauche ein sicheres Satelliten-Kommunikationssystem, das sie selbst kontrolliere, sagte ICEYE-Chef Rafal Modrzewski einer Mitteilung zufolge. Die Satelliten der finnischen Firma liefern den Angaben nach Aufklärungsdaten unabhängig von Wetter oder Tageszeit. Kurz nach dem russischen Einmarsch 2022 kaufte die ukrainische Bevölkerung in einer Spendenaktion die Nutzung eines ICEYE-Satelliten für die Armee.
Ukrainische Luftwaffe auf Starlink angewiesen
In den vergangenen Tagen funktionierte das militärisch wichtige Satelliteninternet der US-Firma Starlink über der Ukraine nur eingeschränkt. Firmenchef Elon Musk und die US-Regierung machten widersprüchliche Angaben, wer dafür verantwortlich sei. Die Starlink-Systeme werden unter anderem für die Steuerung und Abwehr von Drohnen benötigt. In der vergangenen Woche konnten ukrainische Drohnen nach Angaben aus Kiew nur mit reduzierter Geschwindigkeit fliegen. Bei einer Geschwindigkeit von über 160 Kilometer pro Stunde sei die Verbindung abgebrochen, berichteten ukrainische Medien unter Berufung auf Regierungsquellen. Dies behinderte die Abwehr russischer Drohnen, die Geschwindigkeiten von mehreren Hundert Kilometern pro Stunde erreichen können.
Zuletzt sagte Präsident Donald Trump, Musk habe die Drosselung wieder aufgehoben. Kiew widerspricht Trumps Angaben. "Eine Bestätigung, dass die Drosselung aufgehoben wurde, gibt es bislang nicht", berichteten mehrere ukrainische Medien unter Berufung auf Quellen im Verteidigungsministerium. Ähnlich äußerte sich Präsidentenberater Serhij Beskrestnow. Es gebe vereinzelte Fälle, dass Starlink schneller funktioniere, aber dies liege eher am SpaceX-Algorithmus. "Derzeit können wir keine Aufhebung der Beschränkungen bei Starlink feststellen", schrieb er auf Facebook.
Die russischen Streitkräfte überziehen die Ukraine jede Nacht und manchmal auch tagsüber mit schweren Luftangriffen. In der vergangenen Nacht setzte Russland nach ukrainischen Angaben 176 Kampfdrohnen ein, 92 davon waren demnach besonders schnell fliegende düsengetriebene Drohnen. 140 Drohnen seien abgeschossen oder durch elektronische Flugabwehr zum Absturz gebracht worden, schrieb die Luftwaffe am Morgen auf Telegram. Einschläge habe es an 19 Orten in der Ukraine gegeben. Auch herabstürzende Trümmer abgewehrter Drohnen können zudem verheerende Schäden verursachen.
