B-52 ist über 70 Jahre altWashingtons fliegende Festung ist noch immer im Dienst

Seit mehr als 70 Jahren ist die B-52 im Einsatz. Auch im Iran-Krieg fliegt der US-Bomber Angriffe auf strategische Ziele. Mit einer umfassenden Modernisierung soll der Veteran noch Jahrzehnte im Dienst bleiben.
Die B-52 Stratofortress (deutsch: Stratosphärenfestung) ist eine brachiale Kriegsmaschine aus der Zeit des Kalten Krieges. Doch auch heute noch ist der Langstreckenbomber der USA gefragt. Im Krieg gegen den Iran bestätigte das US-Zentralkommando Anfang März den Einsatz des Langstreckenbombers gegen iranische Raketenstellungen und Kommandoposten.
Dabei ist das Flugzeug mit den enormen Tragflächen schon über 70 Jahre alt. Boeing entwickelte den Bomber Ende der 1940er-Jahre als Nuklearwaffenträger. Der Erstflug fand am 15. April 1952 statt, die Indienststellung drei Jahre später. Derzeit fliegen noch 76 der achtstrahligen Maschinen. Mit der Version J will das Pentagon den Dino bis mindestens 2050 im Dienst halten. Damit könnte die B-52 den 100. Geburtstag ihres Erstflugs erleben.
Die lange Karriere hat auch wirtschaftliche Gründe. Eine Modernisierung kostet weniger als eine Neuentwicklung. Die B-52 ist im Betrieb deutlich günstiger als die moderneren Bomber der Typen B-1 Lancer und B-2 Spirit, die in den kommenden Jahren durch die B-21 Raider ersetzt werden. Ihre robuste Konstruktion macht sie zudem wartungsfreundlich.
Ins kollektive Gedächtnis gelangte die B-52 durch den Vietnamkrieg, wo sie umstrittene Flächenbombardements flog. Später, etwa im Irakkrieg, diente der Bomber als Startplattform für Marschflugkörper. Eine Rolle, die die B-52 bis heute ausübt. Dafür muss sie nicht in feindliche Luftzonen eindringen. Die Marschflugkörper erlauben Präzisionsschläge aus Hunderten Kilometern Entfernung. Zudem bleibt das Flugzeug als Teil der nuklearen Streitkräfte ein zentrales Element der amerikanischen Abschreckung.
Die heute fliegende H-Variante stammt aus dem Jahr 1961. Seitdem gab es keine grundlegende Modernisierung. Das soll sich ändern. Ab Ende der 2020er-Jahre wird die gesamte Flotte zu B-52J umgerüstet. Die Arbeiten sollen bis 2033 abgeschlossen sein. In all der Zeit hat sich das Grunddesign des Flugzeugs nicht geändert.
Die Modernisierung der gesamten Flotte wird nach aktuellen Schätzungen rund 50 Milliarden US-Dollar kosten. Die größte technische Änderung betrifft die betagten Triebwerke, die durch moderne Rolls-Royce F130 ersetzt werden. Der neue Motor verbraucht deutlich weniger Treibstoff und erhöht so die Reichweite. Zudem ist er leiser und produziert weniger Rauch. Das macht die B-52J unauffälliger. Ein weiterer Vorteil: Deutlich längere Wartungsintervalle senken die Betriebskosten.
Weitere Gründe für die lange Karriere der B-52 sind die hohe Traglast und enorme Reichweite: Der Bomber kann derzeit bis zu 32 Tonnen Waffen über mehr als 14.000 Kilometer transportieren. Mit dem leistungsstärkeren F130 werden Reichweite und Zuladung weiter steigen. Neben dem Einsatz von Marschflugkörpern wird die B-52J die zukünftigen Hyperschallwaffen der Air Force tragen. Auch wird darüber nachgedacht, die B-52 als fliegenden Drohnenträger einzusetzen.
Die umfassende Modernisierung wird auch eine Rundum-Sanierung der alternden Bomber umfassen. Denn die Einsatzbereitschaft der Veteranen sinkt. Wegen ihrer enormen Spannweite von 56 Metern stehen die Oldtimer nicht in Hangars und sind so Wind, Hitze und Frost ausgesetzt. 2012 waren noch 78 Prozent der Flotte einsatzbereit. 2022 waren es nur noch 59 Prozent. Bei 76 Maschinen bedeutet das: Weniger als 45 Bomber können im Ernstfall tatsächlich fliegen.
