Klimaaktivistin im "Frühstart"Luisa Neubauer freut sich nicht über hohe Spritpreise
Wegen der hohen Spritpreise wird weniger Auto gefahren, das dürfte dem Klima helfen. Klimaaktivistin Luisa Neubauer will sich aber nicht darüber freuen. Sie fordert mehr Einsatz für die Energiewende.
Die Frontfrau von Fridays for Future in Deutschland, Luisa Neubauer, freut sich nach eigener Aussage nicht über die hohen Spritpreise. "Natürlich nicht, denn was wir ja brauchen, ist eine Mobilität, die Menschen es ermöglicht, nachhaltig von A nach B zu kommen", so Neubauer im ntv-"Frühstart". "Was jetzt gerade passiert ist, dass Menschen an den Zapfsäulen den Preis dafür bezahlen, dass unser ganzes Mobilitätssystem bisher nicht nachhaltig ist." Sie setze sich dafür ein, dass Menschen Bus oder Bahn nehmen könnten, anstatt "Ölautokraten" Geld überweisen zu müssen.
Zur Entlastung fordert Neubauer ein günstigeres Deutschlandticket. Der Tankrabatt koste den Staat in zwei Monaten so viel wie das Ticket in einem ganzen Jahr und werde womöglich nicht einmal wirken. Die Bundesregierung und vor allem Kanzler Merz hätten immer gesagt, Klimaschutz mache man am besten mit dem Markt. "Jetzt, wo man merkt, das ist ganz schön ungerecht und unkalkulierbar, schmeißt man Geld auf dieses große Problem drauf."
"Das ist so eine abgrundtiefe Enttäuschung"
Neubauer warf der Regierung vor, mit dem Tankrabatt eine unsoziale Maßnahme zu planen. Man entlaste damit Menschen, die sich ein Auto leisten und die längsten Strecken fahren würden. "Wenn die Bundesregierung sagen möchte, wir möchten Handwerk und Betriebe entlasten, um alles in der Welt, sollen sie das doch bitte machen, aber dann ist das Instrument hier ja völlig falsch gewählt." Die Politik weigere sich, aus der letzten Krise von 2022 zu lernen. "Auf welche Energiekrise wartet die Bundesregierung, bis sie mal ehrlich zugibt, dass unser System so nicht funktioniert, nicht belastbar und nicht zukunftsfähig ist."
Die Klimaaktivistin forderte einen zügigen Ausbau der erneuerbaren Energien. "Volle Kanne rein in die Erneuerbaren, es den Leuten so günstig wie möglich machen, Photovoltaik aufs Dach zu bauen, E-Autos, aber auch ÖPNV zu nehmen." Zudem müsse die Bundesregierung in eine nachhaltige Industrie investieren, um Arbeitsplätze zu schaffen. Derzeit aber blockiere Wirtschaftsministerin Reiche die Energiewende. Dadurch werde Deutschland noch mehr erneuerbare Industrie nach China verlieren und noch abhängiger von "Ölautokraten". "Das ist so eine abgrundtiefe Enttäuschung."
Neubauer äußerte sich auch zum gestrandeten Buckelwal in der Ostsee. Den Einsatz für den Wal könne man für mehr Klimaschutz nutzen, wenn man die Energie einfach übertrage. "Wer jetzt gerade sagt, wir fühlen mit dem Wal mit, das ist doch ein super Auftrag, zu sagen: Eine große Bedrohung für die Wale weltweit ist der Klimawandel."
